Ursula ist eine von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Sie wollte, dass ihre Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus ihrer falschen Entscheidung lernen können.
Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Arzt oder Apotheke. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Unsere generelle Empfehlung: Treffen Sie keine Entscheidung im Umgang mit einem verschriebenen Arzneimittel im Alleingang. Sprechen Sie ihren Arzt oder die Apotheke an und reden Sie über mögliche Zweifel und Bedenken.
Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen.
Warum Ursula ihre Geschichte veröffentlicht hat
Ursula H. erzählt ihre Geschichte, weil viele andere Patientinnen und Patienten ähnliche Erfahrungen machen: Ein negativer Eindruck bleibt im Kopf hängen, während wichtige Vorteile einer Behandlung in den Hintergrund geraten. Bei ihr lag das Problem nicht im fehlenden Wissen über ihre Erkrankung, sondern darin, wie sie Informationen bewertet hat. Ursula H. möchte andere ermutigen, bei Unsicherheiten nicht vorschnell zu entscheiden, sondern das mit Arzt oder Apotheke zu suchen Gespräch zu suchen.
Diagnose und Therapie
Ursula H. lebt mit Diabetes mellitus. Um ihre Blutzuckerwerte besser einzustellen und Folgeerkrankungen vorzubeugen, verordnete ihr Arzt ein Medikament. Die Behandlung sollte helfen, die Erkrankung langfristig besser zu kontrollieren und gesundheitliche Risiken zu senken.
Ursula wusste, dass Diabetes eine ernst zu nehmende Erkrankung ist. Sie begann die Therapie zunächst auch. Doch wie bei vielen vorbeugenden oder langfristig wirkenden Behandlungen war der Nutzen im Alltag nicht unmittelbar spürbar. Gerade das machte es schwerer, von der Therapie überzeugt zu bleiben.
Warum hat Ursula das Medikament abgesetzt?
Nachdem Ursula zuhause den Beipackzettel gelesen hatte, beschäftigte sie sich vor allem mit den möglichen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. Diese Informationen blieben ihr besonders stark im Gedächtnis. Der Nutzen des Medikaments trat dagegen immer mehr in den Hintergrund.
Hier zeigte sich eine typische Denkfalle: der Horn-Effekt. Eine einzelne negative Eigenschaft beeinflusste ihr Gesamturteil so stark, dass positive Aspekte kaum noch beachtet wurden. Ursula nahm das Medikament dadurch zunehmend mit ungutem Gefühl ein.
Mit der Zeit fiel es ihr leichter, Einnahmen aufzuschieben oder auszulassen. Aus einzelnen ausgelassenen Tabletten wurden immer mehr. Irgendwann war die Einnahme zur Ausnahme geworden.
Was hat Ursula zum Umdeken gebracht?
Was Ursula zum Umdenken brachte, war das Erlebnis, wie sich ein schlecht eingestellter Diabetes auswirken kann. Eine Freundin, die ebenfalls an Diabetes litt, musste wegen massiv erhöhter Blutzuckerwerte notfallmäßig versorgt werden.
Zum ersten Mal wurde ihr klar, dass Folgen einer unzureichenden Behandlung nicht nur theoretische Risiken sind, sondern plötzlich und ernsthaft eintreten können. Sie erkannte, dass sie sich bisher vor allem mit möglichen Nachteilen des Medikaments beschäftigt hatte – nicht aber mit den Folgen des Weglassens.
Diese Erfahrung brachte sie dazu, in der Apotheke das Gespräch zu suchen. Dort sprach sie offen über ihre Zweifel und darüber, warum sie das Medikament abgesetzt hatte. Sie erhielt eine verständliche Einordnung zu Nutzen und Risiken der Therapie.
Erst dadurch begann Ursula, ihre frühere Entscheidung neu zu bewerten und die Behandlung aus einer ausgewogeneren Perspektive zu sehen.
Was können andere Patientinnen und Patienen aus Ursulas Geschichte lernen?
Ursulas Fall zeigt, dass Informationen unterschiedlich stark auf uns wirken. Negative Hinweise bleiben oft schneller im Kopf als positive Aspekte. Dadurch kann ein verzerrtes Bild entstehen.
Andere Patientinnen und Patienten können daraus lernen, Beipackzettel nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage zu nutzen. Sinnvoll ist es, Fragen zu stellen und Nutzen sowie Risiken gemeinsam mit Arztpraxis oder Apotheke einzuordnen.
Die wichtigste Erkenntnis: Nicht der stärkste Eindruck sollte entscheiden, sondern die ausgewogene Betrachtung aller wichtigen Informationen.
Ursula und der Horn-Effekt
Grundlage jeder Entscheidung ist die Bewertung von Informationen. Besonders dann, wenn Emotionen im Spiel sind, lauern Denkfallen, die diese Bewertung verzerren können.
Ursulas Falle war der sogenannte Horn-Effekt.
Der Horn-Effekt gehört zu einer Gruppe von systematischen Fehlern beim Wahrnehmen, Bewerten und Urteilen.
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