Karl ist einer von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Er wollte, dass seine Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus seiner falschen Entscheidung lernen können.

Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.

Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen. 

Warum Karl seine Geschichte veröffentlicht hat

Karl M. weiß heute: Er ist in eine Falle getappt, in die viele Patient:innen geraten können – die Überzeugungskraft von einfachen, emotional erzählten Erfahrungsberichten im Internet. Obwohl er selbst keine Nebenwirkungen hatte, ließ er sich verunsichern und setzte sein Medikament eigenmächtig ab. Erst als er offen mit seinem Arzt darüber sprach, wurde ihm klar, wie sehr ihn Sprache, Tonfall und Wiederholung beeinflusst hatten. Karl möchte seine Geschichte teilen, damit andere Patient:innen verstehen: Was sich überzeugend liest, ist nicht automatisch wahr. Und dass es sich lohnt, Zweifel direkt mit Ärzt:innen zu besprechen – bevor man eine Therapie abbricht.

Diagnose und Therapie

Karl M. ist 58 Jahre alt. Vor einem halben Jahr wurde bei ihm ein Typ‑2‑Diabetes diagnostiziert. Anfangs versuchte er, mit Bewegung und Ernährung gegenzusteuern – doch die Blutzuckerwerte blieben zu hoch. Sein Arzt verschrieb ihm daraufhin ein Medikament: Sitagliptin, einmal täglich als Tablette.

Karl nahm die Tabletten zunächst wie verordnet ein – ohne Probleme. Das Präparat gilt als gut verträglich und wird in der Regel problemlos angenommen. Auch bei Karl zeigten sich keine Nebenwirkungen. Und doch hörte er nach einigen Wochen plötzlich auf, das Medikament zu nehmen – ohne Rücksprache mit seinem Arzt.

Warum hat Karl das Medikament erst genommen – und dann wieder abgesetzt?

Karl hatte begonnen, sich intensiver mit seiner Krankheit zu beschäftigen – vor allem online. Dabei stieß er auf Foren, Erfahrungsberichte und Warnungen. Dort war die Sprache eine andere: direkt, emotional, nah dran am Alltag. Betroffene berichteten von „stiller Gefahr“, von Leberproblemen, Übelkeit oder bleibenden Schäden. Manche dieser Beiträge wirkten „ehrlicher“ als die nüchternen Informationen vom Arzt oder aus der Packungsbeilage.

Auf die Frage, warum er diesen Quellen mehr vertraute als seinem Arzt, antwortete Karl:

„Weil es einfach irgendwie gestimmt hat. Diese Berichte klangen ehrlich – nicht so steril und glatt wie das, was man vom Arzt hört. Da erzählen echte Leute, was sie erlebt haben.“


Was Karl hier beschreibt, ist ein psychologisches Prinzip, das viele Entscheidungen unbewusst beeinflusst: kognitive Leichtigkeit.
Das bedeutet: Was einfach klingt, sich vertraut anfühlt und emotional geschrieben ist, wirkt automatisch überzeugender.
Vor allem dann, wenn es unsere Sorgen bestätigt oder Ängste anspricht.

Hinzu kommt ein Denkfehler: Wenn mehrere Menschen unabhängig voneinander Ähnliches berichten („Mir war schlecht“, „Meine Leberwerte stiegen“), glauben wir schnell: Da muss was dran sein. Auch wenn es keine medizinischen Belege dafür gibt.

So entstand in Karls Kopf ein Gefühl von Gewissheit – nicht durch Wissen, sondern durch Wiederholung, Emotionalität und scheinbare Nähe. Und obwohl er keine Nebenwirkungen hatte, setzte er das Medikament ab.

Warum hat Karl seine Entscheidung bereut – und revidiert?

Einige Wochen nach dem Absetzen verschlechterten sich Karls Blutzuckerwerte deutlich. Er fühlte sich oft müde, sein Gewicht nahm zu. Bei einem Kontrolltermin sprach ihn sein Arzt offen darauf an. Karl war zunächst zögerlich – gab dann aber zu, dass er das Medikament selbstständig abgesetzt hatte.

Sein Arzt reagierte ruhig – ohne Vorwurf. Stattdessen fragte er:

„Was genau hat Sie verunsichert? Was haben Sie gelesen?“


So kam ein ehrliches Gespräch in Gang. Karl erzählte von den Foren, von den Berichten, die ihn „emotional überzeugt“ hatten. Der Arzt erklärte ruhig, worauf man bei solchen Quellen achten sollte – und dass einzelne Erfahrungsberichte nicht das Gleiche sind wie medizinische Studien. Gemeinsam besprachen sie, wie Sitagliptin wirkt, warum es bei Karl gut anschlug – und dass bisher kein einziger klinischer Hinweis auf die angeblichen „stillen Gefahren“ vorliegt.

Karl nahm das Medikament wieder ein – diesmal mit besserem Gefühl und mehr Vertrauen.

Was können andere Patient:innen aus Karls Geschichte lernen?

Nicht alles, was sich richtig anfühlt, ist richtig.
Und nicht alles, was Menschen im Internet berichten, ist auch medizinisch relevant.

Karls Geschichte zeigt, wie leicht man sich von Informationen beeinflussen lässt, die emotional, verständlich und nah wirken – auch wenn sie nicht belegt sind. Unser Gehirn liebt einfache Geschichten, klare Botschaften, persönliche Berichte. Doch gerade bei chronischen Erkrankungen braucht es manchmal die nüchterne Sicht von außen – auch wenn sie weniger eingängig klingt.

Karl hat keine schlechte Entscheidung getroffen – sondern eine verständliche.
Aber sie war einseitig. Weil er nur das gesehen hat, was ihm sprachlich und emotional entgegenkam.

Was ihm geholfen hat?
Ein Arzt, der zugehört hat. Kein Vorwurf, sondern echtes Interesse.
Und die Bereitschaft, eine Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Karl und die kognitive Leichtigkeit

Eine Ursache für Karls Entscheidung war das Phänomen der kognitiven Leichtigkeit.

Mehr über die kognitive Leichtigkeit erfahren Sie hier:

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