Simon ist einer von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Er wollte, dass seine Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus seiner falschen Entscheidung lernen können.
Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.
Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen.
Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.
Warum Simon seinen Fall veröffentlicht hat
Simon S. ist 56 Jahre alt, selbstständiger Tischlermeister, körperlich aktiv und beruflich voll eingespannt. Vor einiger Zeit erlitt er völlig unerwartet einen Herzinfarkt. Zwei stark verengte Herzkranzgefäße mussten im Katheterlabor mit Stents versorgt werden, und die Ärzt:innen leiteten sofort eine medikamentöse Therapie ein, die Simon vor einem weiteren Herzinfarkt schützen sollte.
Simon erholte sich rasch, fühlte sich gesund und voller Tatendrang. Bewegung, Ernährung, Stressabbau – er stellte vieles in seinem Leben um. Doch als er nach der Reha sein Rezept einlösen sollte, tat er es nicht. Seine Begründung:
„Mir geht’s doch gut. Ich mache alles – warum soll ich meinen Körper weiter mit Tabletten vollstopfen?“
Heute sagt Simon:
„Ich dachte, ich hätte alles im Griff – aber ich hab unterschätzt, was ich nicht sehen konnte.“
Er teilt seine Geschichte, weil er möchte, dass andere Betroffene verstehen: Auch wenn man sich schnell wieder gesund fühlt, braucht der Körper weiterhin Schutz – und Medikamente sind ein entscheidender Teil davon.
Diagnose und Therapie
Eines Morgens spürt Simon starke Schmerzen in der Brust, ausstrahlend in den linken Arm. Seine Frau reagiert sofort und ruft den Notarzt. In der Klinik lautet die Diagnose: akuter Herzinfarkt.
Im Herzkatheterlabor werden zwei Stents eingesetzt. Zur Vorbeugung weiterer Infarkte erhält Simon eine duale Plättchenhemmung – Acetylsalicylsäure (ASS) und Prasugrel.
Nach der Akutbehandlung folgt Reha: Simon erholt sich schnell, bekommt Informationen über Medikamente, fühlt sich fit und ist hoch motiviert, sein Leben umzustellen. Bewegung, Ernährung, Stressmanagement – er nimmt vieles in Angriff.
Doch zurück zuhause verändert sich seine Sicht: Das Rezept für Prasugrel löst er nicht ein.
Warum hat Simon sein Rezept nicht eingelöst?
Die Ursache von Simons Entscheidung liegt in seinem Denken und darin, wie er die Situation beurteilte. Direkt nach dem Infarkt war die Angst groß, die Bedrohung greifbar – Medikamente erschienen selbstverständlich. Doch sobald er sich wieder gesund fühlte, rückte die Krankheit in den Hintergrund. Die Gefahr wirkte kleiner, beinahe überwunden.
Gleichzeitig erschienen die möglichen Risiken der Tabletten übergroß: mögliche Nebenwirkungen, die Vorstellung, den Körper „unnötig“ zu belasten. So entstand eine Denkfalle: Das Risiko der Erkrankung verblasste, das Risiko der Therapie trat in den Vordergrund.
Hinzu kam ein weiterer Effekt: Simon hatte vieles in seinem Leben aktiv verändert – er bewegte sich mehr, ernährte sich gesünder, reduzierte Stress. All das gab ihm das Gefühl, die Krankheit im Griff zu haben. Psycholog:innen nennen das eine Kontrollillusion: Man überschätzt die Wirkung dessen, was man selbst tun kann, und unterschätzt gleichzeitig die Bedeutung von Faktoren, die sich nicht unmittelbar steuern lassen – in Simons Fall die Medikamente.
Was andere Patient:innen aus Simons Geschichte lernen können
Ein Herzinfarkt ist ein einschneidendes Ereignis. Er selbst liegt zwar hinter einem, doch die Ursachen – verengte Gefäße, Risikofaktoren, Anfälligkeit für weitere Infarkte – bestehen fort. Deshalb bleibt das Risiko bestehen, auch wenn man sich wieder gesund fühlt. Medikamente sind ein zentraler Teil des Schutzes – genauso wichtig wie Bewegung, Ernährung und Stressabbau.
Simons Beispiel zeigt zwei typische Denkmuster:
Verzerrte Risikowahrnehmung: Sobald die Krankheit nicht mehr spürbar ist, wird ihr Risiko unterschätzt, während mögliche Nebenwirkungen der Medikamente überbetont werden.
Kontrollillusion: Durch eigene Anstrengungen – mehr Sport, gesündere Ernährung – entsteht das Gefühl, die Situation im Griff zu haben. Das kann den falschen Eindruck erwecken, Medikamente seien überflüssig.
👉 Was Sie daraus mitnehmen können:
Auch wenn Sie sich gut fühlen, braucht Ihr Körper weiterhin Schutz durch Medikamente.
Sprechen Sie über Zweifel mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen – Schweigen ist riskanter als jede Frage.
Eigeninitiative ist wichtig, ersetzt aber nicht die Wirkung von Medikamenten.
Simons Geschichte macht deutlich: Gesund leben und Medikamente einnehmen gehören in Simons Fall zusammen. Nur beides gemeinsam schützt zuverlässig vor einem erneuten Infarkt.
Simon und die Kontrollillusion
Eine Ursache für Simons Entscheidung war die Kontrollillusion.
Die Kontrollillusion gehört zu einer Gruppe von systematischen Fehlern beim Wahrnehmen, Urteilen und Entscheiden. Mehr über solche Fehler lesen Sie hier:
Gute Karten für bessere Entscheidungen
Die oben abgebildete Karte ist Teil des Kartensatzes „Gute Karten für bessere Entscheidungen“. Sie finden ihn demnächst in unserem Online Shop.
Abonnieren Sie unseren Newsletter
Er hilft Ihnen, gute Entscheidungen zu treffen. Kurz. Unabhängig. Hilfreich.
Bleiben Sie auf dem Laufenden und treffen Sie Entscheidungen, mit denen Sie Kopf und Herz in Einklang bringen.