Tiger Woods und die Verlustaversion

Verlustaversion ist eines der am besten untersuchten psychologischen Denkmuster. Es beschreibt die menschliche Tendenz, Verluste stärker zu gewichten als gleich große Gewinne. Mit anderen Worten: Die Aussicht, 100 Euro zu verlieren, wirkt emotional belastender als die Aussicht, 100 Euro zu gewinnen – selbst wenn die Wahrscheinlichkeit identisch ist.
Dass dieses Denkmuster selbst bei Spitzenleistungen eine Rolle spielt, zeigt ein bemerkenswerter Befund aus dem Profisport.
Die Tiger-Woods-Studie
Im Jahr 2011 analysierten zwei Wirtschaftswissenschaftler über 2,5 Millionen Golfschläge aus der amerikanischen PGA-Tour. Sie wollten herausfinden, ob selbst Profispieler systematisch riskante Entscheidungen vermeiden, wenn sie vor einem möglichen Verlust stehen – auch dann, wenn das rational nicht begründbar wäre.
Das überraschende Ergebnis:
Tiger Woods – einer der erfolgreichsten Golfer aller Zeiten – spielte seine Putts signifikant besser, wenn er ein Loch „retten“ musste (also einen Schlag unter Par erzielen musste, um keinen Punktverlust zu erleiden), als wenn er mit demselben Schlag einen Gewinn (ein Birdie) hätte erzielen können.
Er war also unter Druck, einen Verlust zu vermeiden, messbar erfolgreicher.
Die Forscher schätzten: Hätte Tiger Woods in diesen Situationen gleich entschieden – ob es nun um einen Verlust oder Gewinn ging – hätte er pro Saison rund eine Million Dollar mehr verdient.
Quelle: Pope, D. G., & Schweitzer, M. E. (2011). Is Tiger Woods Loss Averse? Persistent Bias in the Face of Experience, Competition, and High Stakes. American Economic Review, 101(1), 129–157. https://doi.org/10.1257/aer.101.1.129
Was das mit Arzneimitteln zu tun hat?
Verlustaversion betrifft nicht nur Golfer. Sie beeinflusst unser Denken in vielen Lebensbereichen – auch in der Medizin.
Beispiel: Ein Medikament, das gut wirkt, aber möglicherweise Nebenwirkungen haben könnte.
Viele Patient:innen entscheiden sich dagegen – nicht weil sie schlecht informiert sind, sondern weil sie das geringe Risiko eines Verlustes (Nebenwirkungen) emotional stärker gewichten als die hohe Wahrscheinlichkeit eines Gewinns (Besserung).
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