Lea ist eine von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Sie wollte, dass ihre Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus ihrer falschen Entscheidung lernen können.
Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.
Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen.
Warum Lea ihre Geschichte veröffentlicht hat
Lea ist 34, beruflich engagiert, sportlich, sozial gut eingebunden – bis Panikattacken ihr Leben zunehmend einschränken. Als ihre Ärztin eine medikamentöse Therapie empfiehlt, fühlt sich Lea hin- und hergerissen. In ihrer Erinnerung war sie überzeugt, frei zu entscheiden – doch tatsächlich folgte sie damals vor allem ihrer Angst.
„Ich habe nur das gelesen, was meine Zweifel bestätigt hat“,
sagt sie heute.
Mit ihrer Geschichte möchte Lea anderen Mut machen, diesen Kreislauf zu durchbrechen: nicht nur nach Informationen zu suchen, die ins erste Bauchgefühl passen, sondern Fragen laut zu stellen und auch andere Perspektiven zuzulassen. Ihre erste Entscheidung war nicht falsch gemeint – aber einseitig.
Lea will zeigen, dass gute Entscheidungen entstehen, wenn man Unsicherheiten offen anspricht und sich nicht allein auf Angst verlässt. Denn manchmal liegt der bessere Weg dort, wo man zuerst nicht hinschauen will.
Diagnose und Therapie
Lea ist 34, beruflich engagiert, sportlich, sozial gut eingebunden. Doch seit einigen Monaten erlebt sie immer wieder unerklärliche körperliche Symptome: plötzliche Atemnot, Zittern, Herzrasen, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Nach umfangreichen Untersuchungen kommt ihre Hausärztin zu einer klaren Diagnose: Panikstörung.
Die Ärztin empfiehlt ihr eine medikamentöse Behandlung mit Escitalopram, einem modernen Antidepressivum, das sich bei Angststörungen bewährt hat. Die Dosierung soll vorsichtig eingeschlichen werden, die Therapie eng begleitet. Doch zuhause beginnt Lea zu zweifeln.
Sie denkt:
„Was, wenn ich mich damit nicht mehr wie ich selbst fühle?“
„Ich will doch keine chemische Ruhigstellung.“
„Ich habe schon so viel Schlechtes über Antidepressiva gelesen …“
Lea sucht online – und findet prompt Erfahrungsberichte, die ihre Zweifel verstärken: von Nebenwirkungen, Gefühlen der emotionalen Leere, Absetzproblemen. Alles, was ihre Angst nährt, scheint ihr besonders glaubwürdig. Sie entscheidet sich gegen das Medikament. Stattdessen versucht sie es mit pflanzlichen Mitteln, Atemübungen, Meditation. Doch die Panikattacken bleiben – und ihr Alltag wird enger. Sie sagt Einladungen ab, geht nicht mehr allein aus dem Haus, schläft schlecht.
Die Selbstbestätigungsfalle:
Wenn wir nur sehen, was unsere Meinung stützt
Leas Entscheidung gegen das Medikament ist nicht irrational – sondern menschlich. Sie fällt der sogenannten Selbstbestätigungsfalle (Confirmation Bias) zum Opfer. Das bedeutet: Wenn wir uns unsicher fühlen, suchen wir gezielt nach Informationen, die unsere vorläufige Meinung bestärken – und blenden gegenteilige Hinweise unbewusst aus.
Lea hatte ein mulmiges Gefühl gegenüber Antidepressiva. Als sie recherchierte, fiel ihr vor allem das ins Auge, was ihre Bedenken bestätigte – kritische Forenbeiträge, negative Erfahrungsberichte. Positive Stimmen, klinische Studien oder ärztliche Einschätzungen blieben im Hintergrund.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wer vermutet, dass sein Auto ein Problem hat, hört plötzlich jedes Geräusch – und ignoriert die hundert Kilometer ohne Fehlfunktion. Die eigene Wahrnehmung wird vom inneren Filter gesteuert – nicht von den Fakten.
Wie Leas Ärztin die Sichtweise verschoben hat
Als Lea sich ihrer Ärztin anvertraut, hört diese genau zu – und versucht nicht, die Entscheidung zu korrigieren, sondern den Denkprozess sichtbar zu machen:
„Darf ich fragen, was genau Sie befürchten – und worauf Sie sich bei Ihrer Entscheidung gestützt haben?“
Lea beschreibt ihre Bedenken – und wird im Gespräch selbst aufmerksam darauf, wie selektiv sie Informationen aufgenommen hat. Die Ärztin bietet ihr an, gemeinsam verlässliche Quellen anzuschauen. Sie zeigt Studien, spricht offen über mögliche Nebenwirkungen, aber auch über deren Häufigkeit und Behandelbarkeit.
Am wichtigsten: Sie betont, dass Lea zu jeder Zeit mitreden und mitentscheiden kann. Das Medikament ist ein Werkzeug, kein Kontrollverlust.
Mit diesem Gefühl entscheidet sich Lea, es doch zu versuchen – langsam, begleitet, mit Rückzugsmöglichkeit. Schon nach wenigen Wochen fühlt sie sich stabiler.
Was andere Patient:innen aus Leas Geschichte lernen können
Information ist wichtig – aber nicht jede Quelle ist hilfreich. Wer ohnehin skeptisch ist, läuft Gefahr, sich unbewusst in die eigene Angst hineinzulesen. Das Internet bietet zu jeder Meinung Bestätigung – aber keine Orientierung.
Wenn Sie unsicher sind:
- Sprechen Sie mit jemandem, der die Therapie gut kennt
- Fragen Sie nach Studien, Erfahrungen, Optionen
- Achten Sie auf Ihre innere Stimme – aber fragen Sie auch: „Würde ich auch weiterlesen, wenn ich das Gegenteil glauben wollte?“
Gute Entscheidungen brauchen mehr als Gefühl – sie brauchen Einordnung und Gespräch.
Lea und die Selbstbestätigung
Eine Ursache für Leas Entscheidung war, dass sie in die Selbstbestätigungsfalle getappt ist.
Die Selbstbestätigungsfalle zu einer Gruppe von systematischen Fehlern beim Wahrnehmen, Urteilen und Entscheiden. Mehr über solche Fehler lesen Sie hier:
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Die oben abgebildete Karte ist Teil des Kartensatzes „Gute Karten für bessere Entscheidungen“. Sie finden ihn demnächst in unserem Online Shop.
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