Bärbel ist eine von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Sie wollte, dass ihre Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus ihrer falschen Entscheidung lernen können.
Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.
Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen.
Warum Bärbel ihre Geschichte veröffentlicht hat
Bärbel sagt heute:
„Ich dachte, ich hätte abgewogen – aber ich habe nur das gespürt, was lauter war.“
Sie möchte ihre Geschichte teilen, weil sie weiß, wie leicht man sich von emotional eindrücklichen Eindrücken leiten lässt – vor allem, wenn die Entscheidung unangenehm ist und das Vertrauen in eine Therapie noch nicht gewachsen ist.
„Ich will anderen zeigen, dass es okay ist zu zweifeln – aber dass man trotzdem offen bleiben sollte. Nicht jede Unsicherheit ist ein guter Ratgeber.“
Dass sie heute ihre Therapie konsequent durchzieht, liegt nicht daran, dass sie plötzlich überzeugt ist – sondern daran, dass ihr Arzt den Zweifel ernst genommen und ihr gezeigt hat, worum es wirklich geht: nicht um Angst vor Nebenwirkungen, sondern um Schutz vor etwas, das man nicht spürt – aber das trotzdem real ist.
Diagnose und Therapie
Bärbel ist 52 Jahre alt. Nach einem leichten Auffahrunfall kam sie mit Schmerzen in die Notaufnahme. Die Diagnose: zwei Rippen gebrochen – obwohl der Stoß eher harmlos war. Die Ärzte wurden hellhörig. Eine Knochendichtemessung ergab: Osteoporose – eine Erkrankung, bei der die Knochen an Stabilität verlieren und leichter brechen.
Ihr Arzt empfahl ein modernes Medikament namens Romosozumab, das den Knochenaufbau anregen und helfen soll, weitere Brüche zu vermeiden. Doch Bärbel zögerte – und lehnte schließlich ab.
Warum sich Bärbel gegen das Medikament entschieden hat
Bärbel hatte sich ausgiebig über ihre Erkrankung und die vom Arzt vorgeschlagene Therapie informiert. Sie las Erfahrungsberichte im Internet, sprach mit anderen Betroffenen und hörte aufmerksam zu, was ihr Arzt erklärte. Am Ende war sie überzeugt: Sie habe alle Argumente sorgfältig abgewogen – und entschied sich bewusst gegen das Medikament.
Doch Abwägen bedeutet nicht, dass unser Kopf wie eine Waage funktioniert. Wenn viele Informationen auf uns einprasseln, nutzt das Gehirn sogenannte Heuristiken – gedankliche Abkürzungen. Sie helfen, Entscheidungen schneller zu treffen, können aber dazu führen, dass Eindrücke überbewertet werden, die besonders anschaulich oder emotional sind.
Bei Bärbel waren es vor allem die Berichte aus Foren und die Aussagen zweier Frauen, die ohne Medikamente auskamen. Diese Geschichten waren konkret, lebendig und leicht vorstellbar. Die Empfehlung ihres Arztes dagegen wirkte abstrakt: ein langfristiger Nutzen, der erst Jahre später sichtbar würde. So gaben die eindringlichen Bilder den Ausschlag – und nicht die nüchterne, aber verlässlichere Information.
Wie hat ihr Arzt sie doch noch überzeugt?
Bärbels Arzt reagierte ruhig – und klug. Er wiederholte nicht einfach seine Empfehlung, sondern stellte eine neue Frage:
„Wenn Sie sich bewusst gegen das Medikament entscheiden – wogegen genau entscheiden Sie sich dann?“
Diese einfache Wendung half. Denn Bärbel hatte sich nicht gegen die Erkrankung, sondern gegen ein unangenehmes Gefühl entschieden: Misstrauen, Unsicherheit, Angst vor Unbekanntem. Aber sie hatte nicht die Folgen der Nichtbehandlung durchdacht.
Der Arzt zeigte ihr dann ein Bild: Zwei identische Skelette – das eine mit normaler Knochendichte, das andere mit Osteoporose. Und daneben: die Veränderung nach einem Jahr Therapie.
Er sagte:
„Sie müssen das Medikament nicht mögen. Aber Sie sollten wissen, was es leisten kann – und was passiert, wenn Sie es nicht nehmen.“
Bärbel überlegte. Diesmal länger. Und entschied sich für einen Therapieversuch.
Was können andere Patient:innen aus Bärbels Geschichte lernen?
Abwägen ist wichtig – aber es braucht eine gute Grundlage.
Nur weil man etwas „durchdacht“ hat, heißt das nicht automatisch, dass die Entscheidung auch sachlich tragfähig ist.
Viele Entscheidungen basieren auf Eindrücken, Bildern, Erlebnissen – nicht auf systematischer Information.
Gerade Online-Erfahrungsberichte oder Gespräche mit anderen Betroffenen wirken emotional glaubwürdiger als abstrakte Risiken oder statistische Wahrscheinlichkeiten.
Aber: Nur weil eine Geschichte nahegeht, heißt das nicht, dass sie repräsentativ oder hilfreich ist. Gute Entscheidungen entstehen dort, wo Emotion, Information und langfristiger Nutzen gemeinsam betrachtet werden.
Bärbel und unsere Abkürzungen beim Entscheiden.
Ein Grund für Bärbels Entscheidung gegen das Medikament war, dass sie eine Abkürzung genommen und mit echtem Abwägen verwechselt hat.
Mehr über unsere Abkürzungen beim Entscheiden finden Sie hier.
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