Petra ist eine von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Sie wollte, dass ihre Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus ihrer falschen Entscheidung lernen können.
Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.
Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.
Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen.
Warum Petra ihre Geschichte veröffentlicht hat
Petra ist 71 Jahre alt und lebt mit einer altersbedingten Makuladegeneration. Die Erkrankung bedroht ihre Sehkraft – und damit vieles, was ihr im Alltag wichtig ist. Als ihr Augenarzt ihr eine Serie von Injektionen empfahl, stimmte sie zu, auch wenn der Gedanke daran nicht angenehm war.
Doch nach den ersten Behandlungen kam die Enttäuschung: Ihre Sehkraft wurde nicht besser, sie hatte sogar das Gefühl, dass sie weiter nachließ. Aus Frust brach sie die Therapie ab – im Glauben, dass es ohnehin nichts bringt.
Rückblickend sagt Petra:
„Ich hatte verstanden, dass es nicht besser wird – und trotzdem habe ich auf Besserung gehofft. Als sie ausblieb, habe ich falsch entschieden.“
Mit ihrer Geschichte möchte Petra anderen Mut machen, offen über Erwartungen, Zweifel und Ziele zu sprechen. Sie hat gelernt: Bei manchen Therapien ist nicht die Verbesserung das Ziel, sondern die Stabilisierung. Was zählt, ist die Frage: Wofür lohnt es sich, dranzubleiben?
Diagnose und Therapie
Bei Petra wurde eine altersbedingte Makuladegeneration festgestellt – eine Erkrankung der Netzhaut, die schleichend zur Erblindung führen kann. Schon länger hatte sie bemerkt, dass Lesen anstrengender wurde und Gesichter verschwammen.
Ihr Augenarzt empfahl eine Therapie mit einem sogenannten VEGF-Inhibitor. Das Medikament wird direkt ins Auge injiziert und kann das Fortschreiten der Erkrankung stoppen. Heilen kann es nicht – das Ziel ist, die vorhandene Sehkraft zu stabilisieren.
Petra verstand diese Erklärung – zumindest rational. Sie stimmte der Behandlung zu und erhielt die ersten drei Injektionen. Medizinisch verlief alles problemlos. Doch subjektiv nahm sie keine Verbesserung wahr, eher eine Verschlechterung. Nach dem dritten Zyklus entschied sie – ohne Rücksprache mit ihrem Arzt – die Behandlung zu beenden.
Was es bedeutet, wenn Patient:innen bei einer Therapie ihre Ziele aus den Augen verlieren
Petra wusste, dass die Injektionen beim Augenarzt ihre Sehkraft nicht verbessern würden. Doch nach drei Terminen schien ihr der mögliche Gewinn – ein langsameres Fortschreiten der Krankheit – in keinem Verhältnis zum Aufwand zu stehen. Sie verlor die Motivation und ging einfach nicht mehr zur nächsten Behandlung.
Einige Wochen später suchte sie wegen einer Erkältung ihren Hausarzt auf. Im Gespräch erwähnte sie beiläufig, dass sie die Therapie beim Augenarzt abgebrochen hatte. Der Hausarzt reagierte nicht mit Kritik, sondern stellte eine einfache Frage:
„Was möchten Sie in den nächsten Jahren unbedingt noch erleben?“
Als Petra darüber nachdachte, wurde ihr schlagartig klar: Es ging nicht darum, wieder besser zu sehen. Sondern darum, nicht noch mehr zu verlieren – damit sie mit ihrem Enkel weiterhin Zeit verbringen und ihm Dinge weitergeben konnte, die ihr wichtig waren.
Das Denkmuster hinter Petras Entscheidung wird als Verlustaversion bezeichnet. Menschen gewichten mögliche Verluste stärker als mögliche Gewinne. Für Petra fühlte sich jeder vergebliche Termin wie ein Verlust an Zeit, Kraft und Hoffnung an. Der tatsächliche Gewinn – der Erhalt ihrer noch vorhandenen Sehkraft – wog in diesem Moment für sie weniger. Erst durch die Frage nach ihren Zielen konnte sie erkennen, dass es nicht um kleine kurzfristige Verluste ging, sondern um das Vermeiden eines viel größeren Verlustes: ihrer Selbstständigkeit und der gemeinsamen Zeit mit ihrem Enkel.
Was andere Patient:innen aus Petras Geschichte lernen können
Wenn eine Therapie keinen spürbaren Erfolg zeigt, ist die Versuchung groß, sie abzubrechen – gerade bei chronischen Erkrankungen. Doch nicht jeder Fortschritt ist sichtbar. Manchmal ist Stabilität der größte Gewinn.
Umso wichtiger ist es, ein klares persönliches Ziel vor Augen zu haben. „Sehkraft erhalten“ klingt vernünftig, bleibt aber abstrakt. Ein Ziel wirkt nur dann stark, wenn es emotional verankert ist:
Was bedeutet Sehkraft für mich ganz konkret?
Welche Momente möchte ich noch erleben?
Wem möchte ich etwas weitergeben, solange es noch möglich ist?
Ein solches Ziel macht den Nutzen der Therapie greifbar. Es hilft, Zweifel auszuhalten, Nebenwirkungen einzuordnen und durchzuhalten, wenn Erfolge unsichtbar bleiben.
Wer unsicher ist, sollte nicht schweigen, sondern gemeinsam mit Ärzt:innen klären:
Was ist mein Ziel?
Wie realistisch ist es?
Ein Ziel, das berührt, ist mehr als Motivation – es wird zum inneren Kompass, an dem sich Entscheidungen orientieren können.
Frank und unsere Denkfallen
Eine Ursache für Petras Entscheidung, das Medikament abzusetzen, war die sogenannte Zielvernachlässigung.
Unsere Entscheidungen werden oft von unbewussten Denkmustern in eine Richtung gelenkt, die wir eigentlich nicht wollen. Mehr über die Frage, wie wir Entscheidungen treffen und was uns dabei beeinflusst lesen Sie hier:
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