Dieter ist einer von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Er wollte, dass seine Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus seiner falschen Entscheidung lernen können.

Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.

Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen. 

Warum Dieter seine Geschichte veröffentlicht hat.

Dieter K., 68, lebt mit einer Herzschwäche. Ein modernes Kombinationspräparat (Sacubitril/Valsartan) brachte ihm spürbare Besserung – so sehr, dass er in einem Moment des „Es geht mir doch gut“ die Tabletten eigenmächtig absetzte. Sechs Wochen später folgte der Rückschlag und ein erneuter Krankenhausaufenthalt.

Dieter erzählt seine Geschichte, weil er zeigen möchte: Sich besser fühlen heißt nicht, dass die Krankheit verschwunden ist – oft wirkt die Therapie im Hintergrund. Er will andere ermutigen, schnelle Bauchentscheide zu bremsen, die eigene Besserung der Behandlung zuzuschreiben und Veränderungen immer mit dem Arzt abzusprechen. Sein Appell: „Gebt dem langsamen, überlegten Denken Raum – es schützt.“

Diagnose und Therapie

Dieter ist 68 Jahre alt. Vor einigen Monaten erhielt er die Diagnose Herzschwäche. Er merkte es daran, dass er schnell erschöpft war, schlecht Luft bekam und selbst kurze Spaziergänge ihn anstrengten.

Im Krankenhaus wurde er medizinisch gut eingestellt. Sein Kardiologe verschrieb ihm ein modernes Medikament mit den Wirkstoffen Sacubitril und Valsartan – ein Kombinationspräparat, das das Herz entlastet und nachweislich die Prognose bei Herzinsuffizienz verbessert.

Anfangs fühlte sich Dieter müde und hatte einen etwas niedrigen Blutdruck. Sein Arzt beruhigte ihn:

„Das ist normal in den ersten Wochen. Wichtig ist, dass Sie die Tablette trotzdem weiternehmen – Sie werden sich bald besser fühlen.“

Und tatsächlich: Nach einigen Wochen ging es Dieter spürbar besser. Er konnte wieder längere Strecken laufen, fühlte sich stabiler und zuversichtlicher.
Doch dann dachte er:

„Wozu soll ich das eigentlich noch nehmen? Mir geht’s doch gut. Und am Anfang war’s mir eh nicht so recht.“

Ohne Rücksprache mit seinem Arzt setzte er das Medikament ab.

Sechs Wochen später kam der Rückschlag: Die Luftnot war zurück, das Herz arbeitete wieder schlechter – Dieter musste erneut ins Krankenhaus.

Warum hat Dieter das Medikament abgesetzt?

Dieter hat nicht aus Überzeugung abgesetzt, sondern aus einem spontanen Bauchgedanken heraus. Kein Gespräch, keine Abwägung – nur ein innerer Impuls:

„Es geht mir gut → Also brauche ich das Medikament nicht mehr.“

Was hier passiert ist, ist typisch für das, was Psychologen „Schnelles Denken“ nennen: Ein sofortiges Urteil, das sich einfach, plausibel und logisch anfühlt – aber oft nicht korrekt ist. Dieter ließ sich von einem naheliegenden Gedanken leiten: Symptomfrei = gesund = Therapie überflüssig.

Dabei hatte ihm sein Arzt genau das Gegenteil erklärt: Dass das Medikament die Ursache für seine Besserung war – und dass es nur wirkt, wenn man es regelmäßig nimmt.

Aber solche Erklärungen rücken in den Hintergrund, wenn das Gehirn in den Autopilot-Modus schaltet.

Schnelles Denken, langsames Denken – worin liegt der Unterschied?

Der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman unterscheidet zwei Arten zu denken:

🧠 System 1: Schnelles Denken

  • Automatisch, intuitiv, mühelos
  • Reagiert auf das, was offensichtlich oder vertraut ist
  • Trifft schnelle Urteile: „Geht’s mir gut? Dann passt alles.“

🧠 System 2: Langsames Denken

  • Überlegt, reflektiert, bewusst
  • Nimmt sich Zeit, prüft Zusammenhänge, hinterfragt
  • Würde fragen: „Geht’s mir gut wegen der Therapie? Und was passiert, wenn ich sie absetze?“

Schnelles Denken ist nützlich im Alltag – aber riskant bei medizinischen Entscheidungen, wo Ursachen und Wirkungen oft nicht direkt spürbar sind.

In Dieters Fall hat System 1 die Kontrolle übernommen – ohne böse Absicht, aber mit Folgen.

Der Gedanke war einfach: 

„Es passt wieder – also brauche ich nichts mehr.“ 

Das klingt logisch – ist aber ein Trugschluss.

Was andere Patient:innen aus Dieters Geschichte lernen können

Wenn es Ihnen wieder besser geht, ist das ein gutes Zeichen.
Aber: Fragen Sie sich, warum es Ihnen besser geht.

Bei vielen chronischen Erkrankungen – wie Herzschwäche, Bluthochdruck oder Diabetes – wirken Medikamente im Hintergrund. Sie verhindern, dass es schlechter wird.
Dass es Ihnen gut geht, liegt oft gerade daran, dass Sie die Therapie fortgesetzt haben.

Deshalb ist es wichtig, nicht allein zu entscheiden – und schon gar nicht aus einem schnellen Bauchimpuls heraus. Sondern sich Zeit zu nehmen für Fragen wie:

  • Was genau bewirkt mein Medikament?
  • Was passiert, wenn ich es absetze?
  • Gibt es Alternativen oder Anpassungen, wenn ich etwas nicht vertrage?

Und vor allem: Immer mit dem Arzt sprechen, bevor man etwas verändert.

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