Fall Kontrollillusion Herzinfarkt

Simon S. und die falsche Einschätzung von Risiken


„Ich dachte, ich tu doch schon alles – da kann ich mir die Tabletten sparen.“

1. Was ist passiert?

Simon S. ist 56, selbstständiger Tischlermeister, körperlich aktiv und beruflich eingespannt. Eines Morgens spürt er starke Schmerzen in der Brust – ausstrahlend in den linken Arm. Seine Frau reagiert geistesgegenwärtig, ruft den Notarzt. Die Diagnose in der Klinik: akuter Herzinfarkt. Zwei Herzkranzgefäße sind stark verengt.

Im Herzkatheterlabor bekommt Simon zwei medikamentenbeschichtete Stents eingesetzt. Zur Vorbeugung eines weiteren Infarkts beginnt die Klinik sofort mit einer dualen Plättchenhemmung – eine Kombination aus Acetylsalicylsäure (ASS) und Prasugrel.

Simon erholt sich schnell. Nach der Akutbehandlung geht er in Reha, bekommt Informationen über die Medikamente, fühlt sich fit – und ist motiviert, sein Leben umzustellen. Bewegung, Ernährung, weniger Stress: Er macht vieles richtig.

Doch kaum wieder zuhause, löst er das neue Rezept für Prasugrel nicht ein. Seine Begründung:

„Mir geht’s gut. Ich mach ja alles – warum soll ich meinen Körper weiter mit Tabletten vollstopfen?“


2. Warum hat Simon sein Rezept nicht eingelöst

Simon begründete seine Entscheidung, sein Rezept nicht einzulösen mit dem Satz „Ich dachte, ich tu doch schon alles – da kann ich mir die Tabletten sparen„. Wir haben nachgehakt und wollen es genauer wissen.

Simons Entscheidung ist ein typisches Beispiel für eine verzerrte Risikowahrnehmung.

  • Am Anfang war die Angst vor dem Herzinfarkt sehr präsent – die Erkrankung wirkte bedrohlich und real. Die Motivation für Medikamente und Verhaltensänderung war hoch.
  • Nach der Akutbehandlung fühlte sich Simon schnell wieder gesund. Die Krankheit rückte in den Hintergrund, die Gefahr erschien kleiner.
  • Gleichzeitig trat das Risiko der Medikamente in den Vordergrund: mögliche Nebenwirkungen, die Vorstellung, den Körper „unnötig“ zu belasten.

Das ist eine klassische Denkfalle: Das Risiko der Erkrankung verblasst, das Risiko der Therapie erscheint übergroß



3. Was andere Patient:innen aus Simons Fall lernen können

Simons Geschichte zeigt: Das Gefühl, wieder gesund zu sein, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gefahr bleibt. Gerade nach einem Herzinfarkt ist die konsequente Einnahme der Medikamente entscheidend, um Rückfälle zu verhindern.

Viele Menschen neigen dazu, das Risiko der Krankheit zu unterschätzen, sobald sie sich besser fühlen – und gleichzeitig mögliche Nebenwirkungen zu überschätzen. Diese Denkfalle kann lebensgefährlich werden.

👉 Lernen Sie daraus:

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, wenn Sie unsicher sind. Gemeinsam finden Sie Wege, wie Sie die Behandlung dauerhaft umsetzen können.ich kontrollieren kann – und was nicht.

Auch wenn es Ihnen gut geht, braucht Ihr Körper weiterhin Schutz.

Medikamente sind Teil der Therapie – genauso wichtig wie Bewegung, Ernährung und Stressabbau.

Warum Simon seine Geschichte veröffentlicht hat

Simon sagt heute:
„Ich dachte, ich hätte alles im Griff – aber ich hab unterschätzt, was ich nicht sehen konnte.“

Er spricht offen darüber, dass er seine Medikamente nicht aus Trotz oder Misstrauen weggelassen hat, sondern aus dem ehrlichen Gefühl heraus, gesund zu sein. Er hatte seinen Lebensstil geändert, fühlte sich besser, bekam Lob in der Reha – und zog daraus den Schluss, dass die Therapie nicht mehr nötig sei.

Heute weiß er: Sein gutes Gefühl war echt – aber sein Schluss daraus war falsch.

Simon möchte, dass andere von seinem Erlebnis erfahren:

„Wenn meine Geschichte auch nur einen Menschen davon abhält, seine Medikamente abzusetzen, weil er sich gerade gut fühlt – dann hat sich das Erzählen schon gelohnt.“

Er will Mut machen, offen mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen zu sprechen, gerade dann, wenn Zweifel entstehen. Denn Medikamente sind nicht das Gegenteil von Eigenverantwortung – sie sind oft deren sinnvollste Konsequenz.


Simon und die Kontrollillusion

Eine Ursache für Simons Entscheidung war die Kontrollillusion.

Die Kontrollillusion gehört zu einer Gruppe von systematischen Fehlern beim Wahrnehmen, Urteilen und Entscheiden. Mehr über solche Fehler lesen Sie hier:


Gute Karten für bessere Entscheidungen

Die oben abgebildete Karte ist Teil des Kartensatzes „Gute Karten für bessere Entscheidungen“. Sie finden ihn demnächst in unserem Online Shop.


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