Frank ist einer von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Er wollte, dass seine Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus seiner falschen Entscheidung lernen können.

Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.

Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen. 

Warum Frank seine Geschichte veröffentlicht hat

Frank ist 48 Jahre alt und hat vor eineinhalb Jahren eine neue Niere bekommen. Die Transplantation verlief perfekt, seine Blutwerte waren stabil, die Kontrollen unauffällig – er fühlte sich gesund wie lange nicht mehr. Zum Schutz des Organs nahm er regelmäßig Tacrolimus, ein Immunsuppressivum, das Abstoßungsreaktionen verhindert.

Doch weil es ihm so gut ging, beschloss Frank irgendwann, das Medikament eigenmächtig abzusetzen. Rückblickend sagt er:

„Ich dachte, ich hätte alles im Griff – aber in Wahrheit war ich kurz davor, alles zu verlieren.“

Frank erzählt seine Geschichte, weil er selbst erfahren hat, wie leicht man trotz bester Absichten in eine Denkfalle geraten kann. Er möchte zeigen: Solche Fehlentscheidungen entstehen nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus einem falschen Gefühl von Sicherheit. Und er will andere Patient:innen ermutigen, ihre Fragen und Zweifel offen mit ihren Ärzt:innen zu besprechen – gerade dann, wenn alles gut läuft.

Diagnose und Therapie

Nach der Transplantation galt Franks Verlauf als vorbildlich: Er nahm seine Medikamente pünktlich, erschien zuverlässig zu allen Terminen und hielt sich an alle Empfehlungen. Sein Arzt lobte ihn regelmäßig: „Sie machen das wirklich vorbildlich!“

Zu seinem Therapieplan gehörte auch das Immunsuppressivum Tacrolimus. Dieses Medikament bremst gezielt das Immunsystem, damit es die neue Niere nicht als fremd angreift. Solange der Wirkstoff im Körper ist, bleibt das Abstoßungsrisiko niedrig – doch wenn er fehlt, kann das Immunsystem ungebremst reagieren.

Warum Frank die Therapie absetzte

Weil es ihm körperlich so gut ging, dachte Frank irgendwann:
„Vielleicht braucht mein Körper das Medikament gar nicht mehr so dringend.“

Ohne Rücksprache entschied er, Tacrolimus wegzulassen – nur um „zu testen“, ob es auch ohne ginge. Vier Wochen später fühlte er sich müde und abgeschlagen. Ein komisches Gefühl brachte ihn schließlich zur Kontrolle – gerade noch rechtzeitig. Die Blutuntersuchung zeigte: Tacrolimus war nicht mehr nachweisbar, erste Anzeichen einer Abstoßung waren da. Mit einer Therapieumstellung konnte das Transplantat gerettet werden – aber es war knapp.

Denkfehler nach der Transplantation

Warum hat Frank geglaubt, ohne Medikamente auszukommen? Nicht, weil er uninformiert war oder leichtsinnig – sondern weil er in gleich mehrere typische Denkfallen getappt ist, die nach einer Transplantation leicht entstehen können.

  • Halo-Effekt: Das Lob des Arztes und die stabilen Werte überstrahlten das weiterhin bestehende Risiko.

  • Rückschauverzerrung: Im Rückblick schien es, als hätten die guten Monate nicht nur mit den Medikamenten zu tun.

  • Optimismusverzerrung: „Mir passiert schon nichts – ich bin ja sonst kerngesund.“

Gerade diese Kombination ist gefährlich: Das gute Befinden wirkt wie ein Beweis für Gesundheit – dabei ist es in Wahrheit das Ergebnis der Therapie.

Was andere Patient:innen aus Franks Geschichte lernen können

Frank hatte Glück – viele andere sind nicht rechtzeitig zur Kontrolle gegangen und haben ihr Transplantat verloren.

Seine wichtigste Botschaft lautet:

  • Niemals allein entscheiden.

  • Immer Rücksprache halten.

  • Fragen, wenn Unsicherheit besteht.

Die Medikamente sind nicht die Belastung – sie sind der Schutz. Wer sie absetzt, gibt genau diesen Schutz auf, der das neue Organ erhält.

Frank und unsere Denkfallen

Eine Ursache für Franks Entscheidung, das Medikament abzusetzen, war der Halo-Effekt.

Der Halo-Effekt gehört zu einer Gruppe von systematischen Fehlern beim Wahrnehmen, Urteilen und Entscheiden. Mehr über solche Fehler lesen Sie hier:

Gute Karten für bessere Entscheidungen

Die oben abgebildete Karte ist Teil des Kartensatzes „Gute Karten für bessere Entscheidungen“. Sie finden ihn demnächst in unserem Online Shop.

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