Sandra ist einer von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Sie wollte, dass ihre Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus ihrer falschen Entscheidung lernen können.

Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.

Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen. 

Warum Sandra ihre Geschichte veröffentlicht hat

Sandra lebt seit vielen Jahren mit Colitis ulcerosa – einer chronischen Entzündung des Dickdarms, die ihr Leben in Schüben bestimmt: Bauchschmerzen, Durchfälle, Erschöpfung. Viele Therapien hat sie ausprobiert, doch ein wirklicher Durchbruch blieb aus.

Als ihre Ärztin ihr ein neues Medikament vorschlägt, ist Sandra hin- und hergerissen. In der Packungsbeilage liest sie von möglichen Nebenwirkungen – und die Angst, noch mehr zu verlieren, überlagert ihre Hoffnung auf Besserung. Heute weiß sie: Dieses Zögern war selbst eine Entscheidung, mit echten Konsequenzen.

„Ich hatte Angst vor den Nebenwirkungen – aber noch größer war meine Angst, mich nie wieder frei zu fühlen“, sagt Sandra rückblickend. Sie möchte ihre Geschichte veröffentlichen, um anderen Mut zu machen, über Ängste zu sprechen, Fragen zu stellen – und dabei die Chancen nicht zu übersehen, die eine Therapie eröffnen kann.

Diagnose und Therapie

Die Diagnose Colitis ulcerosa erhielt Sandra bereits vor vielen Jahren. Seitdem prägt die Erkrankung ihren Alltag: Immer wieder treten Schübe mit heftigen Bauchkrämpfen, blutigem Durchfall und tiefer Erschöpfung auf. Die Unberechenbarkeit der Symptome machte es ihr schwer, ein normales Berufs- und Sozialleben zu führen.

Im Laufe der Zeit hat Sandra zahlreiche Medikamente ausprobiert – von klassischen entzündungshemmenden Präparaten bis hin zu Biologika. Manches half für kurze Zeit, anderes gar nicht. Doch eine dauerhafte Stabilisierung stellte sich nie ein. Jede neue Therapieempfehlung bedeutete für sie daher auch Hoffnung – und gleichzeitig die Sorge, wieder enttäuscht zu werden.

Als ihre Ärztin schließlich den Einsatz von Upadacitinib vorschlug, war Sandra zunächst unsicher. Upadacitinib gehört zu einer neueren Medikamentengruppe, die gezielt Entzündungsprozesse im Körper blockiert. Studien zeigen, dass dieser Wirkstoff bei vielen Patient:innen mit Colitis ulcerosa zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führt. Für Sandra eröffnete sich damit die Möglichkeit auf mehr Lebensqualität – verbunden mit der Frage, ob sie bereit war, dieses neue Medikament auszuprobieren.

Warum Sandra die neue Therapie zunächst ablehnte

Trotz der ermutigenden Worte ihrer Ärztin und der positiven Studiendaten konnte sich Sandra nicht durchringen, Upadacitinib zu beginnen. Beim Lesen der Packungsbeilage blieben ihre Augen immer wieder an den möglichen Nebenwirkungen hängen: Infektionen, erhöhte Leberwerte, Kopfschmerzen.

In ihrem Kopf formte sich schnell ein klares Bild: „Wenn ich Pech habe, geht es mir am Ende noch schlechter als jetzt.“ Dieses Gefühl überwog die Hoffnung auf Besserung. Auch frühere Erfahrungen spielten hinein – zu oft hatte sie Therapien ausprobiert, die nach kurzer Zeit enttäuschend wirkten oder gar neue Probleme brachten.

So entschied sich Sandra zunächst gegen die Einnahme. Sie wollte kein zusätzliches Risiko eingehen – auch wenn das bedeutete, auf eine mögliche Chance zu verzichten.

Wie die Verlustaversion unsere Entscheidungen beeinflusst

Verlustaversion ist ein Begriff aus der Verhaltenspsychologie: Verluste wiegen für uns emotional stärker als gleich große Gewinne. Wir sind eher bereit, etwas Gutes nicht zu bekommen, als etwas Schlechtes zu riskieren – selbst wenn das Risiko klein ist.

In Sandras Fall bedeutete das:
Die Angst vor Nebenwirkungen und einem „möglichen Rückschritt“ war stärker als die Aussicht, endlich mehr Lebensqualität zu gewinnen. Ihre Gedanken kreisten um das, was schiefgehen könnte – nicht um das, was besser werden könnte.

Ein Beispiel aus dem Alltag:
Viele Menschen bleiben jahrelang in einer unglücklichen Arbeitsstelle – obwohl sie spüren, dass sie ausgebrannt sind. Warum? Weil der Gedanke, das sichere Gehalt und den bekannten Alltag zu verlieren, schmerzhafter erscheint als die Aussicht, etwas Besseres zu finden.

Die Angst, etwas Vertrautes aufzugeben, ist größer als die Hoffnung auf Verbesserung – selbst wenn der Jobwechsel langfristig zufriedener machen würde. Genau das ist Verlustaversion: Wir halten lieber an etwas fest, das nicht ideal ist, als ein Risiko für eine bessere Zukunft einzugehen.

Wie Sandras Ärztin die Verlustaversion umkehrte

Sandras Ärztin reagierte nicht mit Druck, sondern mit einem Perspektivwechsel:

„Wenn Sie das Medikament nicht nehmen – was könnten Sie dann verlieren?“

Sandra dachte nach. Ihre Antwort:


„Vielleicht die Chance, wieder normal arbeiten zu können. Oder ohne ständige Angst zu leben, ob ich es rechtzeitig zur Toilette schaffe.“

Plötzlich wurde der potenzielle Verlust durch das Zögern greifbarer als die befürchteten Nebenwirkungen. Die Ärztin machte sichtbar, was auf dem Spiel steht, wenn man nichts verändert.

So drehte sich das Bild in Sandras Kopf. Sie verstand, dass sie gerade dabei war, aus Angst vor einem kleinen Risiko eine große Chance zu verpassen. Mit dieser Erkenntnis stimmte sie der Therapie schließlich zu – unter der Bedingung, engmaschig betreut zu werden und regelmäßig zu prüfen, wie gut sie das Medikament verträgt.

Was können andere Patient:innen aus Sandras Geschichte lernen?

Angst ist ein schlechter Ratgeber – vor allem, wenn sie sich nur auf Verluste fokussiert. Viele Menschen unterschätzen, was sie durch Nicht-Handeln riskieren. Verlustaversion ist keine Schwäche – sondern ein ganz normales Muster, das uns schützen will. Doch manchmal verstellt sie den Blick auf das, was uns helfen könnte.

Wenn Sie unsicher sind, stellen Sie sich zwei Fragen:

  • Was befürchte ich, wenn ich die Therapie beginne?
  • Und was verliere ich, wenn ich sie nicht beginne?

Manchmal verändert schon diese kleine Umkehr den Blick – und die Entscheidungen.

Sandra und die Verlustaversion

Eine Ursache für Sandras Entscheidung war die Verlustaversion.

Die Verlustaversion gehört zu einer Gruppe von systematischen Fehlern beim Wahrnehmen, Urteilen und Entscheiden. Mehr über solche Fehler lesen Sie hier:.

Gute Karten für bessere Entscheidungen

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