Lara ist eine von 154 Patient:innen, die mit uns offen über ihren Umgang mit Arzneimitteln gesprochen haben. Sie wollte, dass ihre Geschichte veröffentlicht wird – damit andere aus ihrer falschen Entscheidung lernen können.

Die Inhalte dienen ausschließlich Ihrer allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Informationen, Entscheidungshilfen und Tipps möchten Sie dabei unterstützen, gut informierte und überlegte Entscheidungen zu treffen. Sie entbinden Sie jedoch nicht von der persönlichen Verantwortung – und können keine Garantie für eine im individuellen Fall „richtige“ Entscheidung geben. Die Namen und Bilder wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

Bei Fragen, Unsicherheiten oder Nebenwirkungen in Ihrem persönlichen Fall, wenden Sie sich bitte direkt an Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder an eine Apothekerin bzw. einen Apotheker Ihres Vertrauens.

Beachten Sie auch unsere 5 Denkanstöße für bessere Entscheidungen. 

Warum Lara ihre Geschichte veröffentlicht hat.

Lara lebt seit vielen Jahren mit schwerer Migräne. Nachdem viele Versuche erfolglos blieben, startete sie eine neue Therapie mit einem modernen Antikörper. Doch nach einigen Wochen kamen Zweifel – die Wirkung war nicht sofort spürbar, neue Beschwerden verunsicherten sie. Anstatt das Gespräch mit ihrer Ärztin zu suchen, brach Lara die Behandlung eigenmächtig ab.

Heute spricht sie offen darüber, weil sie verstanden hat: Nicht das Medikament war das eigentliche Problem, sondern die Art, wie sie ihre Situation bewertet hat. Unbewusste Denkmuster führten dazu, dass sie voreilige Schlüsse zog, Symptome falsch einordnete und auf ärztlichen Rat verzichtete.

Lara veröffentlicht ihre Geschichte, um anderen Mut zu machen, Unsicherheiten nicht allein auszutragen. Ihr Appell: Therapieentscheidungen nicht im Stillen treffen, sondern im Dialog – mit Zeit, Rückfragen und ehrlicher Rückmeldung. Nur so lassen sich Chancen und Risiken wirklich abwägen.

Diagnose und Therapie

Lara M., 42, leidet seit vielen Jahren unter Migräne – an zehn bis vierzehn Tagen im Monat. Nach zahlreichen Versuchen mit Akutmedikation, Magnesium, Ernährungstagebuch und Entspannungstechniken empfahl ihre Neurologin schließlich eine Migräneprophylaxe mit Galcanezumab, einem sogenannten CGRP-Antikörper, der einmal im Monat unter die Haut gespritzt wird. Diese Wirkstoffklasse blockiert gezielt ein Botenmolekül, das bei der Entstehung von Migräne eine zentrale Rolle spielt.

Lara begann die Therapie mit vorsichtigem Optimismus. Doch nach der dritten Dosis kamen Zweifel auf: Die Migräneanfälle waren kaum weniger geworden. Gleichzeitig fühlte sie sich gereizt, müde, irgendwie verändert.

Statt ihre Ärztin zu informieren oder nach möglichen Erklärungen zu fragen, entschied sich Lara, die Therapie abzubrechen – ohne Rücksprache, ohne Einordnung.

Warum hat Lara ihre Ärztin nicht angesprochen?

Im Rahmen unseres Interviews haben wir Lara auch gefragt, warum sie die Therapie abgebrochen und nicht mit ihrer Ärztin über ihr Problem gesprochen hat. Ihre Antwort:

„Ich hatte das Gefühl, dass das Medikament nichts bringt. Und diese Stimmungsschwankungen kamen dazu. Mit der Ärztin habe ich deshalb nicht gesprochen, weil ich ohnehin wusste, was sie mir sagen würde.

Lara hielt ein Gespräch mit der Ärzten für überflüssig. Sie traf ihre Entscheidung im Alleingang, ohne ärztliche Rücksprache, ohne Einordnung. Der Gedanke, dass es auch andere Ursachen für ihre Beschwerden geben könnte oder sich die Wirkung des Medikaments erst verzögert zeigt, spielte für sie keine Rolle.

Diese Haltung steht exemplarisch für ein Phänomen, das wir in vielen Interviews beobachten: unbewusste Denkmuster, die nicht nur Therapieentscheidungen beeinflussen – sondern auch dazu führen, dass wichtige Gespräche gar nicht erst geführt werden.

Solche Denkmuster entstehen, weil das Gehirn ständig versucht, Informationen zu vereinfachen, einzuordnen und schnelle Schlüsse zu ziehen – besonders in Situationen, die mit Unsicherheit, Aufwand oder unangenehmen Gefühlen verbunden sind. Diese gedanklichen Abkürzungen passieren meist automatisch – wir bemerken sie nicht, handeln aber auf ihrer Grundlage.

Die Folgen spüren wir gerade bei der Anwendung von Medikamenten: Therapien werden voreilig abgesetzt, Wirkung und Nebenwirkungen falsch eingeschätzt, hilfreiche Rückfragen unterlassen. Aber diese Mechanismen wirken nicht nur in der Medizin – sie beeinflussen auch berufliche Entscheidungen, private Beziehungen oder unseren Umgang mit Geld, Ernährung und Risiken.

Wer sie erkennt, kann bewusster gegensteuern – und klüger entscheiden.

Bei Lara wirkten gleich mehrere dieser Muster zusammen:

🔹 Gegenwartsverzerrung – Das Gefühl „Es bringt nichts“ und „Ich will da raus“ dominierte – der mögliche Langzeiteffekt rückte in den Hintergrund.
🔹 Kausale Fehlzuschreibung – Neue Symptome wurden automatisch dem Medikament zugeschrieben, ohne andere Erklärungen zu prüfen.
🔹 Überschätzte Gewissheit – Lara verließ sich auf ihr Bauchgefühl – so sehr, dass sie ärztlichen Rat gar nicht mehr für nötig hielt.


Was andere Patient:innen aus Laras Geschichte lernen können

Viele Menschen brechen eine Therapie nicht ab, weil sie unvernünftig oder nachlässig sind – sondern weil sie das Gefühl haben, schon genug zu wissen. Oft liegt genau darin das Problem: Man bewertet Symptome, Wirkungen oder Nebenwirkungen vorschnell, ohne ärztlichen Rat einzuholen. Die Entscheidung fühlt sich richtig an – aber sie beruht auf einem Denkprozess, der unvollständig ist.

Der Fall von Lara zeigt, wie stark unbewusste Denkmuster unser Verhalten beeinflussen können – selbst dann, wenn wir überzeugt sind, gerade besonders vernünftig zu handeln.

Wer solche Muster erkennt, kann sich in kritischen Momenten selbst hinterfragen: Habe ich wirklich alle Informationen? Habe ich das Gespräch gesucht – oder nur innerlich abgeschlossen? Gerade bei vorbeugenden Medikamenten wie Galcanezumab ist es wichtig, realistische Erwartungen zu entwickeln, Nebenwirkungen einzuordnen – und Unsicherheit nicht vorschnell mit Abbruch zu beantworten.

Lara und die Gegenwartsverzerrung

Ein Denkmuster, das bei Laras Entscheidung eine Rolle gespielt hat, war die sogenannte Gegenwartsverzerrung. .

Die Gegernwrtsverzerrung gehört zu einer Gruppe von systematischen Fehlern beim Wahrnehmen, Urteilen und Entscheiden. Mehr über solche Fehler lesen Sie hier:

Gute Karten für bessere Entscheidungen

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